Hinweise für Lehrkräfte

Die folgenden Seiten wurden zusammengestellt, um Schülerinnen und Schüler sowie ihre Lehrkräfte durch die einzelnen Wettbewerbsrunden, insbesondere die Analysenrunde, zu begleiten.

  • Über das Eurosystem

  • 1

    Eurogebiet, Eurosystem, Europäische Zentralbank (EZB) und Europäisches System der Zentralbanken (ESZB)

    Seit dem 1. Jänner 1999 ist die Europäische Zentralbank (EZB) für die Durchführung der Geldpolitik im Euro-Währungsgebiet – dem zweitgrößten Wirtschaftsraum der Welt nach den Vereinigten Staaten – verantwortlich.

    Das Euro-Währungsgebiet entstand, als im Jänner 1999 die Zuständigkeit für die Geldpolitik von den nationalen Zentralbanken von elf EU-Mitgliedstaaten auf die EZB übertragen wurde. Griechenland trat dem Euroraum 2001 bei, Slowenien 2007, Zypern und Malta 2008, die Slowakei  2009, Estland 2011, Lettland 2014 und Litauen 2015. Die Schaffung des Euroraums – bestehend aus den 19 Ländern, die den Euro als gemeinsame Währung eingeführt haben – und die Errichtung einer neuen supranationalen Institution, der EZB, waren Meilensteine im langen und komplexen Prozess der europäischen Integration.

    Um dem Euro-Währungsgebiet beitreten zu dürfen, mussten die 19 Länder die Konvergenzkriterien erfüllen; auch die anderen EU-Mitgliedstaaten müssen diese Kriterien vor der Einführung des Euro erfüllen. Die Konvergenzkriterien legen die wirtschaftlichen und rechtlichen Voraussetzungen für die erfolgreiche Teilnahme an der Wirtschafts- und Währungsunion fest.

    Rechtliche Grundlagen für die gemeinsame Geldpolitik sind der Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union und die Satzung des Europäischen Systems der Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank. Das ESZB umfasst die EZB und die nationalen Zentralbanken aller EU-Mitgliedstaaten – unabhängig davon, ob sie den Euro eingeführt haben oder nicht. Das Eurosystem besteht aus der EZB und den nationalen Zentralbanken der Länder, die den Euro eingeführt haben.

    Solange es EU-Mitgliedstaaten gibt, die nicht dem Euro-Währungsgebiet angehören, werden das Eurosystem und das ESZB nebeneinander bestehen. Die EZB ist das Herzstück des Eurosystems und des ESZB.

    Wichtigstes Beschlussorgan des Eurosystems ist der EZB-Rat. Seine Mitglieder sind die 19 Präsidenten der nationalen Zentralbanken des Eurogebiets sowie die sechs Mitglieder des Direktoriums der EZB.

    Bei den Sitzungen des EZB-Rats geht es in erster Linie darum, die Geldpolitik zu erörtern und geldpolitische Beschlüsse zu fassen. Das vorrangige Ziel der Geldpolitik des Eurosystems ist die Gewährleistung von Preisstabilität im Euroraum.

    Der EZB-Rat hält seine geldpolitischen Sitzungen alle sechs Wochen ab. Bei diesen Sitzungen bewertet er die wirtschaftliche und monetäre Entwicklung und fasst seine geldpolitischen Beschlüsse. Die nicht-geldpolitischen Sitzungen finden einmal monatlich statt. Bei diesen Sitzungen werden vorwiegend Themen erörtert, die sich aus den übrigen Aufgaben und Verantwortungsbereichen der EZB und des Eurosystems ergeben. Die Sitzungen finden in der Regel am Sitz der EZB in Frankfurt am Main statt.

    Die geldpolitischen Beschlüsse werden ausführlich im Rahmen einer Pressekonferenz, die kurz nach jeder geldpolitischen Sitzung stattfindet, erläutert. Der Präsident leitet die Pressekonferenz zusammen mit dem Vizepräsidenten. Sie besteht aus zwei Teilen: Zunächst liest der Präsident die Einleitenden Bemerkungen zu den geldpolitischen Beschlüssen des EZB-Rats vor und steht anschließend den Journalisten Rede und Antwort.

    Darüber hinaus veröffentlicht die EZB regelmäßig Zusammenfassungen der geldpolitischen Sitzungen des EZB-Rats, bevor die jeweils nächste Sitzung stattfindet.

    Zu den Aufgaben des EZB-Rats zählen:

    • die Festlegung der Geldpolitik des Eurogebiets; dies beinhaltet die Beschlussfassung über geldpolitische Ziele, Leitzinssätze und die Bereitstellung von Zentralbankgeld für die Banken im Eurogebiet sowie die Umsetzung dieser Beschlüsse;
    • die Verabschiedung von Verordnungen und Beschlüssen, die zur Erfüllung der dem ESZB und dem Eurosystem übertragenen Aufgaben notwendig sind.

     Ziele des Eurosystems

    Das vorrangige Ziel des Eurosystems besteht darin, Preisstabilität zu gewährleisten. Soweit dies ohne Beeinträchtigung des Zieles der Preisstabilität möglich ist, unterstützt das Eurosystem die allgemeine Wirtschaftspolitik in der EU, die u. a. auf Vollbeschäftigung sowie eine nachhaltige Entwicklung der Wirtschaft ausgerichtet ist. Der AEUV stellt eine deutliche Rangfolge der Ziele für das Eurosystem auf und weist der Gewährleistung von Preisstabilität eine herausragende Rolle zu. Im AEUV ist auch festgelegt, dass die Gewährleistung von Preisstabilität der wichtigste Beitrag ist, den die Geldpolitik zu einem günstigen wirtschaftlichen Umfeld und zu Vollbeschäftigung leisten kann.

    Die Bestimmungen des AEUV spiegeln den breiten Konsens darüber wider, dass die Vorteile von Preisstabilität erheblich sind. Die Gewährleistung dauerhaft stabiler Preise ist eine entscheidende Voraussetzung für die Steigerung des wirtschaftlichen Wohlstands und des Wachstumspotenzials einer Volkswirtschaft. Ein wesentliches Ziel der Geldpolitik innerhalb einer Volkswirtschaft besteht darin, Preisstabilität zu gewährleisten. Die Geldpolitik kann sich auf die realwirtschaftliche Aktivität auf kurze Sicht auswirken, doch langfristig kann sie nur das Preisniveau in einer Volkswirtschaft beeinflussen.

    Aus den Bestimmungen des Vertrags geht auch hervor, dass das Eurosystem bei der Umsetzung der geldpolitischen Beschlüsse, die auf die Gewährleistung von Preisstabilität abzielen, auch die allgemeineren wirtschaftlichen Ziele der EU berücksichtigen sollte. Da die Geldpolitik die realwirtschaftliche Aktivität auf kürzere Sicht beeinflussen kann, sollte das Eurosystem es für gewöhnlich vermeiden, übermäßige Produktions- und Beschäftigungsschwankungen zu erzeugen, sofern dies mit seinem vorrangigen Ziel in Einklang steht.

    Grundlegende Aufgaben des Eurosystems

    Gemäß dem Vertrag bestehen die grundlegenden Aufgaben des Eurosystems darin,

    • die Geldpolitik des Eurogebiets festzulegen und auszuführen,
    • Devisengeschäfte durchzuführen,
    • die offiziellen Währungsreserven der Euroländer zu halten und zu verwalten (Portfoliomanagement) und
    • das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme zu fördern.

    Laut Artikel 127 Absatz 6 des AEU-Vertrags und der Verordnung (EU) Nr. 1024/2013 des Rates (der „SSM-Verordnung“) ist die EZB darüber hinaus für besondere Aufgaben im Zusammenhang mit der Aufsicht über Kreditinstitute, die in teilnehmenden Mitgliedstaaten niedergelassen sind, zuständig. Diese Aufgaben nimmt die EZB innerhalb eines Einheitlichen Aufsichtsmechanismus wahr, der aus der EZB und den nationalen zuständigen Behörden besteht.

    Weitere Aufgaben des Eurosystems

    Das Eurosystem ist außerdem für eine Reihe weiterer Aufgaben in folgenden Bereichen zuständig:

    • Banknoten: Die EZB und die NZBen der Länder, die dem Euroraum angehören, sind für die Ausgabe der Euro-Banknoten in der EU zuständig.
    • Statistik: Die EZB erhebt, in Zusammenarbeit mit den NZBen, statistische Daten – entweder von nationalen Stellen oder direkt von den Wirtschaftsakteuren –, die sie zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben benötigt.
    • Finanzstabilität und Aufsichtsfragen: Das Eurosystem trägt zur reibungslosen Umsetzung der von den zuständigen Stellen im Hinblick auf die Bankenaufsicht und die Stabilität des Finanzsystems ergriffenen Maßnahmen bei.
    • Internationale und europäische Zusammenarbeit: Die EZB unterhält Arbeitsbeziehungen mit den relevanten Organen, Einrichtungen und Foren sowohl innerhalb der EU als auch auf internationaler Ebene, damit das ESZB seine Aufgaben wahrnehmen kann.

    Das Ziel der Preisstabilität

    Das Ziel der Preisstabilität bezieht sich auf das allgemeine Preisniveau in der Volkswirtschaft. Hieraus ergibt sich, dass länger anhaltende Phasen von Inflation wie auch Deflation zu vermeiden sind.

    Die EZB definiert Preisstabilität als Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für das Euro-Währungsgebiet von unter, aber nahe 2 % gegenüber dem Vorjahr. Preisstabilität muss mittelfristig gewährleistet werden.

    Preisstabilität ist eine Grundvoraussetzung für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung.

    • Sie verbessert die Transparenz des Preismechanismus. In einem von stabilen Preisen geprägten Umfeld ist es einfacher für die Bevölkerung, Veränderungen der relativen Preise (d. h. des Verhältnisses zweier Preise zueinander) zu erkennen, da diese dann nicht durch umfassende Änderungen des allgemeinen Preisniveaus (bei hoher Inflation) überdeckt werden. Sie können daher fundierte Konsum- und Investitionsentscheidungen treffen und Ressourcen effizienter einsetzen.
    • Preisstabilität verringert die Inflationsrisikoprämien bei den Zinssätzen (d. h. die Vergütung, die Investoren für einen unerwarteten Inflationsanstieg während des Investitionszeitraums verlangen). Dies führt zu höheren Investitionsanreizen.
    • Sie macht unproduktive Aktivitäten zur Absicherung gegen die negativen Auswirkungen von Inflation oder Deflation überflüssig. Als Beispiel sei hier das Horten von Waren in der Erwartung möglicher Preissteigerungen genannt.
    • Preisstabilität mindert die Verzerrungen von Inflation und Deflation, die die Verzerrungseffekte von Steuer- und Sozialversicherungssystemen auf das Wirtschaftsverhalten verstärken können.

    Sie beugt auch einer willkürlichen Umverteilung von Wohlstand und Einkommen infolge unerwarteter Phasen von Inflation oder Deflation vor.

    2

    Geldpolitik des Eurosystems

    Klicke auf den nachstehenden Link, um mehr über die Geldpolitik der EZB/des Eurosystems zu erfahren:

    Informationen zu den Leitzinsen der EZB sind abrufbar unter
    http://www.ecb.europa.eu/stats/monetary/rates/html/index.en.html
    (nur in englischer Sprache verfügbar)

    3

    Die Preisentwicklung bestimmende Faktoren

    Klicke auf den nachstehenden Link, um mehr über die Preisentwicklung bestimmende Faktoren zu erfahren:

    Weitere Informationen zur Inflation: 
    http://www.ecb.europa.eu/ecb/educational/hicp/html/index.de.html

    Weitere Daten zum Euroraum (nur in englischer Sprache verfügbar): 
    http://www.ecb.int/stats/services/sdw/html/index.en.html

     

    4

    Die geldpolitischen Instrumente

    Die Geldpolitik steuert die kurzfristigen Zinssätze auf bestmögliche Weise und übt so Einfluss auf die Entwicklung der Wirtschaft aus. Die Steuerung der kurzfristigen Zinssätze erfolgt über die operative Umsetzung der Geldpolitik. Zu diesem Zweck steht dem Eurosystem eine Reihe von geldpolitischen Instrumenten zur Verfügung. Es handelt sich dabei um folgende Instrumente:

    Offenmarktgeschäfte

    Das wichtigste geldpolitische Instrument sind die Offenmarktgeschäfte. Sie werden eingesetzt, um die Zinssätze und die Liquiditätsversorgung am Geldmarkt zu steuern und Signale bezüglich des geldpolitischen Kurses zu setzen. Offenmarktgeschäfte lassen sich in die folgenden vier Kategorien einteilen:

    • Hauptrefinanzierungsgeschäfte in wöchentlichem Abstand mit einer Laufzeit von einer Woche,
    • längerfristige Refinanzierungsgeschäfte in monatlichem Abstand mit einer Laufzeit von drei Monaten,
    • Feinsteuerungsoperationen, die ad hoc durchgeführt werden und der Steuerung der Liquiditätslage am Markt und der Zinssätze dienen. Sie sollen insbesondere die Auswirkungen unerwarteter Schwankungen der Marktliquidität auf die Zinssätze abmildern,
    • strukturelle Operationen, die über die Ausgabe von Schuldverschreibungen, befristete Transaktionen sowie endgültige Käufe bzw. Verkäufe durchgeführt werden.

    Ständige Fazilitäten

    Darüber hinaus stellt das Eurosystem ständige Fazilitäten bereit, die der Zuführung bzw. Abschöpfung von Übernachtliquidität dienen; ihre Zinssätze bilden die Ober- und Untergrenze für den Tagesgeldsatz. Es gibt zwei ständige Fazilitäten:

    • die Spitzenrefinanzierungsfazilität, die Geschäftspartnern, wie etwa Banken, die Möglichkeit gibt, sich bei den NZBen des Eurogebiets Übernachtliquidität zu leihen,
    • die Einlagefazilität, die Geschäftspartner nutzen können, um bei den NZBen des Euroraums Guthaben bis zum nächsten Geschäftstag anzulegen.

    Mindestreserve

    Das Eurosystem verlangt von den Kreditinstituten, dass sie Mindestreserveguthaben auf Konten bei den NZBen des Eurogebiets halten. Das Mindestreservesystem dient der Stabilisierung der Geldmarktsätze und der Herbeiführung oder Vergrößerung einer strukturellen Liquiditätsknappheit.

    Weitere Informationen zu geldpolitischen Instrumenten sind in englischer Sprache abrufbar unter:

    https://www.ecb.europa.eu/mopo/implement/intro/html/index.en.html

    5

    Kürzlich veröffentlichte „Einleitende Bemerkungen“

    Auf der Website der EZB könnt Ihr alle „Einleitenden Bemerkungen” in englischer Sprache abrufen:
    http://www.ecb.europa.eu/press/pressconf/2015/html/index.en.html

    Die Bezeichnung „Einleitende Bemerkungen” rührt daher, dass sie zu Beginn der Pressekonferenz, bei der der EZB-Präsident die geldpolitischen Beschlüsse des EZB-Rats erläutert, vorgelesen werden:
    http://www.ecb.europa.eu/press/tvservices/webcast/html/index.en.html

    6

    Geldpolitische Sondermaßnahmen

    Seit der Verschärfung der Finanzkrise im September 2008 hat die EZB eine Reihe von geldpolitischen Sondermaßnahmen eingeführt, die in Art, Umfang und Größenordnung beispiellos sind. Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass das vorrangige Ziel – die Gewährleistung von Preisstabilität – erreicht wird, und ein angemessenes Funktionieren des geldpolitischen Transmissionsmechanismus gewährleisten. Diese Maßnahmen sind Teil des Instrumentariums des Eurosystems zur Durchführung der Geldpolitik, haben aber gemäß ihrer Definition Ausnahmecharakter und sind zeitlich befristet. In der Regel richten sich diese Maßnahmen an den Bankensektor, da Unternehmen im Euroraum in Bezug auf ihre Finanzierung von Banken abhängen (und nicht über die Kapitalmärkte finanziert werden). Es handelt sich hierbei beispielsweise um folgende Maßnahmen:

    • Liquiditätszuführung mittels eines Mengentenders mit Vollzuteilung,
    • Längerfristige Liquiditätszuführung (über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren),
    • Ausweitung des Verzeichnisses notenbankfähiger Sicherheiten,
    • Liquiditätszuführung in Fremdwährung,
    • Endgültige Käufe bestimmter Schuldverschreibungen.

    Der EZB-Rat hat am 22. Jänner 2015 ein erweitertes Programm zum Ankauf von Vermögenswerten eingeführt. Ziel des Programms ist es, dass die EZB ihr Mandat zur Gewährleistung von Preisstabilität erfüllt. Es sieht vor, dass die EZB zusätzlich zu ihren bestehenden Programmen zum Ankauf von Vermögenswerten des privaten Sektors – eingeführt gegen Ende des Jahres 2014 – Staatsanleihen ankauft, um den Risiken einer zu lang anhaltenden Phase niedriger Inflation zu begegnen.
    Insgesamt sind monatliche Ankäufe von Vermögenswerten in Höhe von 60 Mrd € geplant. Die Ankäufe sollen bis September 2016 und in jedem Fall so lange erfolgen, bis der EZB-Rat eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung erkennt, die im Einklang steht mit seinem Ziel, mittelfristig Inflationsraten von unter, aber nahe 2 % zu erreichen.

    Weitere Informationen zum erweiterten Programm zum Ankauf von Vermögenswerten sind in englischer Sprache abrufbar unter:
    https://www.ecb.europa.eu/mopo/implement/omt/html/index.en.html

    7

    Forward Guidance

    Die Forward Guidance der Zentralbanken ist ein geldpolitisches Instrument, bei dem explizite Aussagen zur konditionalen Ausrichtung der Geldpolitik in Bezug auf die künftige Entwicklung der Leitzinsen getroffen werden. Dadurch soll eine größere Übereinstimmung zwischen den Erwartungen der Wirtschaftsakteure und dem von der Zentralbank angestrebten Zinspfad erzielt werden.

    Seit dem 4. Juli 2013 gibt der EZB-Rat mit der Forward Guidance Hinweise über die künftige Entwicklung der EZB-Leitzinsen in Abhängigkeit von den Aussichten für die Preisstabilität. Der EZB-Rat gab bekannt, dass er davon ausgeht, dass die EZB-Leitzinsen für längere Zeit auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden. Die Einschätzung des EZB-Rats beruht auf den auch mittelfristig insgesamt gedämpften Inflationsaussichten vor dem Hintergrund der allgemein schwachen Wirtschaftslage, der hohen ungenutzten Kapazitäten und einer verhaltenen Geldmengen- und Kreditschöpfung. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt trägt die Forward Guidance dazu bei, dass die EZB ihren Auftrag zur Gewährleistung von Preisstabilität wirksam innerhalb des Rahmens und unter uneingeschränkter Beachtung ihrer Strategie erfüllen kann.

  • Glossar

    • A - B
    • C - D
    • E - F
    • G - H
    • I - J
    • K - L
    • M - N
    • O - P
    • Q - R
    • S - T
    • U - V
    • W - X
    • Y - Z

    Aktienmarkt (equity market)
    Markt, an dem Aktien, d. h. Anteile börsennotierter Unternehmen, ausgegeben und gehandelt werden. Die berühmteste Börse ist die New York Stock Exchange an der Wall Street in New York.

     

    Anleihe (bond)
    Staaten und Unternehmen begeben Anleihen, um sich Finanzmittel zu beschaffen. Wer Anleihen erwirbt, leiht einem Staat oder Unternehmen für einen festgelegten Zeitraum Geld und erhält im Gegenzug pro Jahr einen bestimmten Zinssatz.

     

    Anleihemarkt (bond market)
    Der Markt für verzinsliche Wertpapiere (mit variabler oder fester Verzinsung und mit einer Laufzeit von mindestens einem Jahr), die Unternehmen oder Staaten begeben, um Kapital für Investitionen aufzunehmen. Festverzinsliche Anleihen machen den größten Teil dieses Marktes aus.

     

    Arbeitskräfteangebot (labour supply)
    Verfügbarkeit von geeignetem Personal, d. h. von Arbeitnehmern, in einem bestimmten Arbeitsmarkt.

     

    Arbeitslos (unemployed)
    Um offiziell als arbeitslos zu gelten, muss die betreffende Person keine Arbeit haben und aktiv nach einer Anstellung suchen.


    Arbeitslosenquote (unemployment rate)
    Verhältnis der Arbeitslosen zur Summe aller Erwerbspersonen in %.

     

    Auf kurze Sicht (short term)
    Zeitraum von rund einem Jahr oder zwei Jahren, in dem sich nur einige wenige Produktionsfaktoren (z. B. Rohstoffe) oder Variablen (z. B Preise, Erwartungen, Zinsen) ändern können. Aufgrund der Kürze der Zeit kommt es aber nicht zu einer vollständigen Anpassung.

     

    Auf lange Sicht (long term)
    Ein Zeitraum von mindestens fünf Jahren, während dem Anpassungen aller Produktionsfaktoren und -kosten stattfinden können.

     

    Auf mittlere Sicht (medium term)
    Ein Zeitraum zwischen zwei und fünf Jahren.

     

    Außenhandelspreise (external trade prices)
    Die Preise von im- und exportierten Waren und Dienstleistungen. Diese werden mittels des Ausfuhr- und des Einfuhrpreisindex gemessen.


    Basisgeld / monetäre Basis (base money / monetary base)
    Bargeldumlauf (Banknoten und Münzen) zuzüglich der Mindestreserven, die Kreditinstitute beim Eurosystem halten müssen, plus sämtliche Überschussreserven, die sie unter Umständen freiwillig in der Einlagefazilität des Eurosystems deponieren. Alle diese Positionen werden in der Bilanz des Eurosystems als Verbindlichkeiten ausgewiesen. Basisgeld wird mitunter auch als „monetäre Basis“ bezeichnet.


    Befristete Transaktion (reverse transaction)
    Geschäft, bei dem die Zentralbank Vermögenswerte gemäß einer Rückkaufsvereinbarung verkauft bzw. kauft oder gegen Überlassung von Sicherheiten Kredite gewährt.


    Beitrittskriterien (accession criteria)
    Diese auch als „Kopenhagener Kriterien“ bezeichneten Kriterien muss jedes Land erfüllen, das der Europäischen Union beitreten möchte. Hierzu gehören politische Kriterien (institutionelle Stabilität als Garantie für demokratische und rechtsstaatliche Ordnung, für die Wahrung der Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten), wirtschaftliche Kriterien (eine funktionsfähige Marktwirtschaft) und die Übernahme des gemeinschaftlichen Besitzstands (Acquis communautaire) in nationales Recht.


    Bruttoinlandsprodukt – BIP (gross domestic product – GDP)
    Maßstab für die gesamte wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum. Wert der Gesamtproduktion von Waren und Dienstleistungen einer Volkswirtschaft nach Abzug der Vorleistungen zuzüglich der um Subventionen verminderten Produktions- und Importabgaben. Das BIP lässt sich nach Entstehungs-, Verwendungs- oder Verteilungskomponenten aufgliedern. Die wichtigsten Verwendungskomponenten des BIP sind private Konsumausgaben, Konsumausgaben des Staates, Bruttoanlageinvestitionen, Vorratsveränderungen sowie Importe und Exporte von Waren und Dienstleistungen (einschließlich des Handels innerhalb des Euro-Währungsgebiets).

     

    Haftungsausschluss: Dieses Glossar soll den Teilnehmern des Generation Euro Schülerwettbewerbs als Unterstützung dienen. Es wurde auf Grundlage verschiedener Quellen, u. a. Wörterbüchern und Texten zu den Grundlagen der Volkswirtschaft, zusammengestellt und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der EZB wider. Wenn Sie Anmerkungen oder Vorschläge zum Glossar haben, mailen Sie bitte an generationeuro@ecb.europa.eu.

    Deflation (deflation)
    Rückgang des allgemeinen Preisniveaus, z. B. gemessen am Verbraucherpreisindex.

     

    Deflationsdruck (deflationary pressure)
    Anhaltender Abwärtsdruck auf das allgemeine Preisniveau. Während es vorübergehend durchaus zu negativer Inflation kommen kann, z. B. wenn die Preise bestimmter Waren und Dienstleistungen aufgrund einer größeren Verfügbarkeit und/oder niedrigerer Produktionskosten kurzfristig sinken, gibt ein echter Deflationsdruck Anlass zu Sorge, wenn er sich verfestigt: Verbraucher verschieben dann in Erwartung weiterer Preissenkungen ihren Konsum, während Unternehmen die Herstellung von Waren sowie die Erbringung von Dienstleistungen drosseln und Mitarbeiter entlassen. Daraus kann sich eine Deflationsspirale entwickeln.


    Delors-Ausschuss (Delors Committee)
    Ein im Juni 1988 vom Europäischen Rat eingesetzter Ausschuss, der konkrete Schritte hin zur Wirtschafts- und Währungsunion prüfen und vorschlagen sollte. Benannt wurde der Ausschuss nach seinem Vorsitzenden Jacques Delors, dem damaligen Präsidenten der Europäischen Kommission. In seinen Schlussfolgerungen, die im sogenannten Delors-Bericht veröffentlicht wurden, sprach sich der Ausschuss dafür aus, die Wirtschafts- und Währungsunion in drei Stufen zu vollenden.

     

    Derivat (derivative)
    Finanzinstrument, dessen Preis vom Wert eines oder mehrerer zugrunde liegender Vermögenswerte, Kurse, Zinsen oder Indizes abhängt.


    Devisengeschäfte (foreign exchange operations)
    Kauf und Verkauf von Fremdwährungen (Devisen). Bezogen auf das Eurosystem ist hiermit der Kauf und Verkauf von Euro gegen Fremdwährung gemeint.


    Devisenreserven (foreign exchange reserves)
    Von den Zentralbanken gehaltene Einlagen und Wertpapiere in Fremdwährung und Gold.


    Direktorium der EZB (Executive Board of the ECB)
    Eines der Beschlussorgane der EZB. Es setzt sich aus dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten der EZB sowie vier weiteren Mitgliedern zusammen, die alle von den Staats- und Regierungschefs der Länder des Euroraums ernannt werden.


    Dividendenwerte (equities)
    Wertpapiere, die Eigentumsrechte an Kapitalgesellschaften verbriefen. Hierzu zählen Aktien, die an Börsen gehandelt werden (börsennotierte Aktien), nicht börsennotierte Aktien und sonstige Anteilsrechte. Sie erbringen in der Regel Erträge in Form von Dividenden.

     

    Dynamische Prozesse (dynamic processes)
    Veränderungen wirtschaftlicher und finanzieller Beziehungen im Zeitverlauf. Wie der Name bereits sagt, sind diese Art von Beziehungen nicht statisch.

     

    Haftungsausschluss: Dieses Glossar soll den Teilnehmern des Generation Euro Schülerwettbewerbs als Unterstützung dienen. Es wurde auf Grundlage verschiedener Quellen, u. a. Wörterbüchern und Texten zu den Grundlagen der Volkswirtschaft, zusammengestellt und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der EZB wider. Wenn Sie Anmerkungen oder Vorschläge zum Glossar haben, mailen Sie bitte an generationeuro@ecb.europa.eu.

    ECOFIN-Rat (ECOFIN Council)
    Der EU-Rat in der Zusammensetzung der Wirtschafts- und Finanzminister.


    ECU (ECU)
    Diese Abkürzung steht für „European Currency Unit“. Bei der ECU handelt es sich um eine ehemalige Währungseinheit, deren Wert sich aus den Währungen verschiedener Länder ergab, die heute (gemeinsam mit weiteren Ländern) die Europäische Union bilden. Die ECU fungierte sowohl als Währungsreserve als auch als Recheneinheit des Europäischen Währungssystems und wurde 1999 durch den Euro ersetzt.

     

    Einfuhrpreisindex (import price index)
    Index zur Messung durchschnittlicher Preisänderungen importierter Waren und Dienstleistungen.


    Einheitlicher Euro-Zahlungsverkehrsraum (Single Euro Payments Area – SEPA)
    Ein von europäischen Banken angestoßener Prozess, der u. a. vom Eurosystem und der Europäischen Kommission unterstützt wird. SEPA zielt auf die Integration von Zahlungssystemen ab und soll die Umwandlung des Eurogebiets in einen wahrhaften Binnenmarkt für die Zahlungsverkehrsbranche bewirken.


    Einlagefazilität (deposit facility)
    Die ständige Fazilität des Eurosystems, die den Geschäftspartnern die Möglichkeit bietet, täglich fällige Einlagen zu einem vorher festgelegten Zinssatz bei einer nationalen Zentralbank anzulegen. Der Zinssatz für die Einlagefazilität bildet im Allgemeinen die Untergrenze des Tagesgeldsatzes.

     

    Eng gefasste Geldmenge (narrow money) – Umfasst hochliquide Formen des Geldes wie Bargeld, Reiseschecks sowie Banksalden, die unverzüglich in Bargeld umgewandelt oder bei bargeldlosen Zahlungen eingesetzt werden können (Stichwort: Geld als Tauschmittel).


    EONIA (Euro Overnight Index Average)
    Auf der Basis effektiver Umsätze berechneter Durchschnittszinssatz für Tagesgeld im Euro-Interbankengeschäft. Er wird als gewichteter Durchschnitt der Zinssätze für unbesicherte Euro-Übernachtkontrakte, die von einer Gruppe bestimmter Banken gemeldet werden, berechnet.

     

    Erwartungen der Wirtschaftsakteure (expectations of economic actors)
    siehe Inflationserwartungen.


    Erweiterter Rat der EZB (General Council of the ECB)
    Eines der Beschlussorgane der EZB. Er setzt sich aus dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten der EZB sowie den Präsidenten der nationalen Zentralbanken aller EU-Mitgliedstaaten zusammen.

     

    Erwerb von Gütern durch den Staat (government purchases)
    Im privaten Sektor getätigte Ausgaben der verschiedenen Ebenen der öffentlichen Hand. Beispiel: Ein Ministerium beauftragt ein Bauunternehmen mit dem Bau von Straßen oder Büros oder ordert Büromaterial.

     

    Erwerbspersonen (labour force)
    Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, der sich am Arbeitsmarkt beteiligen kann. Anders ausgedrückt: Die Summe aller Beschäftigten und aller aktiv Arbeit suchenden Arbeitslosen.

     

    Erzeugerpreis (producer price)
    Preise, die Hersteller für ihre Waren verlangen. Erzeugerpreise entwickeln sich in der Regel nicht im Gleichklang mit den Verbraucherpreisen, da es zu Verzögerungen bei der Produktion von Vorleistungsgütern und zu Veränderungen der Margen von Einzelhändlern und der indirekten Steuern kommen kann.


    EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate)
    Zinssatz, zu dem ein erstklassiges Kreditinstitut bereit ist, einem anderen Kreditinstitut mit höchster Bonität Euro-Gelder zur Verfügung zu stellen. Der EURIBOR wird täglich für Interbankeinlagen mit einer Laufzeit von einer Woche sowie für Ein- bis Zwölfmonatsgelder als Durchschnitt der von repräsentativen Banken mit höchster Bonität verlangten Zinssätze ermittelt und auf drei Dezimalstellen gerundet.


    Euro (euro)
    Bezeichnung der einheitlichen europäischen Währung, die bei der Tagung des Europäischen Rates vom 15. und 16. Dezember 1995 in Madrid beschlossen wurde.


    Eurogruppe (Eurogroup)
    Informelle Zusammenkunft der Finanzminister der Länder des Euroraums, im Rahmen derer Fragen im Zusammenhang mit der gemeinsamen Zuständigkeit für die einheitliche Währung erörtert werden. Die Europäische Kommission und die Europäische Zentralbank können an diesen Sitzungen teilnehmen.


    Europäische Kommission (European Commission)
    Die Europäische Kommission ist ein EU-Organ, das 1967 errichtet wurde. Sie erarbeitet Vorschläge für neue EU-Rechtsvorschriften, die sie dem Europäischen Parlament und dem EU-Rat zur Annahme unterbreitet. Weiterhin trägt sie dafür Sorge, dass Entscheidungen der EU ordnungsgemäß umgesetzt werden, und überwacht die Art und Weise, in der EU-Mittel verwendet werden. Zusammen mit dem Gerichtshof der Europäischen Union stellt sie sicher, dass die für alle EU-Mitgliedstaaten geltenden Rechtsvorschriften ordnungsgemäß umgesetzt werden und die Bestimmungen des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union vollumfänglich angewandt werden.


    Europäische Zentralbank – EZB (European Central Bank – ECB)
    Die EZB wurde am 1. Juni 1998 in Frankfurt am Main errichtet und steht im Mittelpunkt des Europäischen Systems der Zentralbanken und des Eurosystems. Gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken der EU-Mitgliedstaaten, die den Euro eingeführt haben, legt die EZB die Geldpolitik für den Euroraum fest und führt diese durch. Seit Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon am 1. Dezember 2009 hat die EZB den Status eines EU-Organs.


    Europäisches System der Zentralbanken – ESZB (European System of Central Banks – ESCB)
    Das Zentralbanksystem der Europäischen Union. Ihm gehören die EZB und die nationalen Zentralbanken aller EU-Mitgliedstaaten an (wobei die nationalen Zentralbanken der EU-Mitgliedstaaten, deren Währung nicht der Euro ist, nicht in die Durchführung der Geldpolitik des Eurosystems für den Euroraum einbezogen sind, da sie ihre geldpolitischen Befugnisse nach innerstaatlichem Recht behalten).


    Europäisches Währungsinstitut – EWI (European Monetary Institute – EMI)
    Das Europäische Währungsinstitut wurde am 1. Jänner 1994 für einen befristeten Zeitraum errichtet. Die zwei Hauptaufgaben des EWI waren die Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen den nationalen Zentralbanken und die Koordinierung der Geldpolitik der einzelnen Länder in der zweiten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion sowie die Durchführung der Vorarbeiten, die für die Errichtung des Europäischen Systems der Zentralbanken, die Durchführung einer einheitlichen Geldpolitik und die Schaffung einer gemeinsamen Währung erforderlich waren. Das EWI wurde am 1. Juni 1998 nach Errichtung der EZB aufgelöst.


    Europäisches Währungssystem – EWS (European Monetary System – EMS)
    Im Jahr 1979 eingeführtes Wechselkurssystem zur Förderung einer engeren währungspolitischen Zusammenarbeit zwischen den Zentralbanken der Mitgliedstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, um in Europa ein Gebiet der Währungsstabilität herzustellen. Die Hauptbestandteile des EWS waren die ECU, der Wechselkurs- und Interventionsmechanismus sowie verschiedene Beistandsmechanismen. Mit Beginn der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion am 1. Jänner 1999 wurde das EWS durch den Wechselkursmechanismus II abgelöst.


    Eurosystem (Eurosystem)
    Das Zentralbanksystem des Euro-Währungsgebiets. Das Eurosystem umfasst die EZB und die nationalen Zentralbanken der Länder, die den Euro eingeführt haben. Das Eurosystem wird vom EZB-Rat und vom Direktorium der EZB geleitet.


    Euro-Währungsgebiet, Eurogebiet, Euroraum (euro area)
    Umfasst jene Länder der EU, die den Euro als ihre Währung eingeführt haben und für die der EZB-Rat die einheitliche Geldpolitik durchführt. Derzeit gehören Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Österreich, Portugal, die Slowakei, Slowenien, Spanien und Zypern dem Euro-Währungsgebiet an.


    EZB-Rat (Governing Council)
    Das oberste Beschlussorgan der EZB. Der EZB-Rat besteht aus dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten der EZB, den übrigen Mitgliedern des Direktoriums sowie den Präsidenten der nationalen Zentralbanken der EU-Mitgliedstaaten, deren gemeinsame Währung der Euro ist.

     

    Finanzielle Konten des Staatssektors (financial public sector accounts)
    Diese Konten dienen der Klassifizierung, Messung und Erfassung der Transaktionen des öffentlichen Sektors.


    Finanzielle Verbindlichkeit (financial liability)
    Eine Verbindlichkeit, die eine rechtliche Verpflichtung darstellt, einem anderen Unternehmen Bargeld oder ein sonstiges Finanzinstrument bereitzustellen oder mit einem anderen Unternehmen Finanzinstrumente zu möglicherweise ungünstigen Konditionen zu tauschen.

     

    Finanzieller Vermögenswert (financial asset)
    Vermögenswerte in Form von a) Bargeld, b) einem vertraglichen Recht, von einem anderen Unternehmen Bargeld oder sonstige Finanzinstrumente zu erhalten, oder c) einem vertraglichen Recht, Finanzinstrumente mit einem anderen Unternehmen zu potenziell günstigen Bedingungen auszutauschen, oder d) Eigenkapitalinstrumente (d. h. Aktien).


    Finanzintermediär (financial intermediary)
    Institutionen (z. B. Banken), die als Schnittstelle zwischen Kreditgebern und Kreditnehmern fungieren, indem sie beispielsweise Einlagen der Öffentlichkeit hereinnehmen und Kredite an private Haushalte sowie Unternehmen vergeben.


    Finanzmarkt (financial market)
    Markt, auf dem diejenigen, die einen Überschuss an Finanzmitteln haben, denjenigen Mittel gewähren, die einen Bedarf an Finanzmitteln haben.


    Finanzstabilität (financial stability)
    Finanzstabilität herrscht, wenn das Finanzsystem seine grundlegende Funktion (Vermittler zwischen Kreditgebern und -nehmern sowie zwischen Einlegern und Gläubigern) erfüllen kann und widerstandsfähig gegenüber Störungen ist, die seine Funktionsfähigkeit gefährden könnten. Bei Finanzstabilität kann das Finanzsystem als Ganzes (das aus Finanzintermediären, Finanzmärkten und Marktinfrastrukturen besteht) Schocks, d. h. unvorhersehbaren und/oder unkontrollierbaren Ereignissen, standhalten. Beispiele für Schocks sind eine Unterbrechung der Ölversorgung, widrige Witterungsbedingungen, Korrekturen finanzieller Ungleichgewichte oder ein technologischer Durchbruch.

     

    Fiskalpolitik (fiscal policy)
    Die Entscheidungen über Staatsausgaben, Besteuerung und Subventionen, welche Regierungen zur Beeinflussung der Konjunktur treffen. Regierungen nutzen die Fiskalpolitik üblicherweise dazu, der Öffentlichkeit bestimmte Dienste (z. B. Bildung, Sicherheit und Verkehrswege) bereitzustellen, das Wachstum zu fördern und das Einkommen umzuverteilen. Sie können auch öffentliche Vermögenswerte (z. B Gebäude, Grundstücke und Unternehmen) veräußern (der Verkauf von vormals staatlichen Unternehmen an den privaten Sektor wird als Privatisierung bezeichnet). Ferner können sie durch die Begebung von Schuldtiteln und den Verkauf von Lizenzen (z. B. für Telekommunikation oder Autobahnen) Kapital an den Finanzmärkten aufnehmen. Änderungen der Fiskalpolitik können u. a. das gesamtwirtschaftliche Umfeld sowie die Höhe der Zinsen für Schuldtitel der öffentlichen Hand beeinflussen.

     

    Forward Guidance
    Die Forward Guidance der Zentralbanken ist ein geldpolitisches Instrument, bei dem explizite Aussagen zur konditionalen Ausrichtung der Geldpolitik in Bezug auf die künftige Entwicklung der Leitzinsen getroffen werden. Dadurch soll eine größere Übereinstimmung zwischen den Erwartungen der Wirtschaftsakteure und dem von der Zentralbank angestrebten Zinspfad erzielt werden.

    Seit dem 4. Juli 2013 gibt der EZB-Rat mit der Forward Guidance Hinweise über die künftige Entwicklung der EZB-Leitzinsen in Abhängigkeit von den Aussichten für die Preisstabilität. Der EZB-Rat gab bekannt, dass er davon ausgeht, dass die EZB-Leitzinsen für längere Zeit auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden. Die Einschätzung des EZB-Rats beruht auf den auch mittelfristig insgesamt gedämpften Inflationsaussichten vor dem Hintergrund der allgemein schwachen Wirtschaftslage, der hohen ungenutzten Kapazitäten und einer verhaltenen Geldmengen- und Kreditschöpfung. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt trägt die Forward Guidance dazu bei, dass die EZB ihren Auftrag zur Gewährleistung von Preisstabilität wirksam innerhalb des Rahmens und unter uneingeschränkter Beachtung ihrer Strategie erfüllen kann.

     

    Haftungsausschluss: Dieses Glossar soll den Teilnehmern des Generation Euro Schülerwettbewerbs als Unterstützung dienen. Es wurde auf Grundlage verschiedener Quellen, u. a. Wörterbüchern und Texten zu den Grundlagen der Volkswirtschaft, zusammengestellt und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der EZB wider. Wenn Sie Anmerkungen oder Vorschläge zum Glossar haben, mailen Sie bitte an generationeuro@ecb.europa.eu.

    Geld (money)
    Ein allgemein als Tauschmittel akzeptierter Vermögenswert. Geld existiert z. B. in Form von Münzen oder Banknoten oder Einheiten, die auf einer Prepaid-Karte gespeichert sind. Auch kurzfristige Einlagen bei Kreditinstituten dienen Geldzwecken. Laut der Wirtschaftstheorie erfüllt Geld drei Funktionen: es dient als Recheneinheit, als Zahlungsmittel und als Wertaufbewahrungsmittel. Die Zentralbank ist dafür verantwortlich, dass Geld diese Funktionen optimal erfüllen kann. Dies erreicht sie durch die Gewährleistung von Preisstabilität.

     

    Geldangebot (money supply)
    Gesamtmenge des in einer Volkswirtschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt vorhandenen Geldes. Das Geldangebot umfasst das im Umlauf befindliche Bargeld, verschiedene Einlagearten und Einlagenzertifikate.


    Geldmarkt (money market)
    Markt, an dem kurzfristige Mittel aufgenommen, investiert und gehandelt werden, und zwar unter Verwendung von Finanzinstrumenten, die in der Regel eine Ursprungslaufzeit von bis zu einem Jahr haben.

     

    Geldmenge (money stock)
    Anderer Begriff für Geldangebot.

     

    Geldmengenwachstum (monetary growth)
    Zunahme der Geldmenge in der Volkswirtschaft.


    Geldnachfrage (money demand)
    Grundlegender wirtschaftlicher Zusammenhang, der die Nachfrage der Nicht-MFIs nach Geldbeständen abbildet. Die Geldnachfrage wird häufig in Abhängigkeit von Preisen und der gesamten Wirtschaftstätigkeit, die als Näherungswert für das Transaktionsvolumen der Volkswirtschaft dient, sowie in Abhängigkeit von bestimmten Zinssätzen, welche die Opportunitätskosten der Geldhaltung messen, ausgedrückt.


    Geldpolitik (monetary policy)
    Unter Geldpolitik versteht man die Entscheidungen einer Zentralbank, die darauf abzielen, die Kosten und die Verfügbarkeit von Geld in einer Volkswirtschaft zu beeinflussen. Innerhalb des Euroraums ist die wichtigste diesbezügliche Entscheidung die Festlegung der Zinsen für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte. Die Europäische Zentralbank entscheidet alle sechs Wochen über die Höhe dieser Zinsen. Jegliche Änderung des Leitzinses seitens der Europäischen Zentralbank hat auch Einfluss auf die Zinsen, die Geschäftsbanken von ihren Kunden für die Kreditaufnahme verlangen. Anders gesagt: Die Entscheidung hat mittelbare Auswirkungen auf die Kosten und die Verfügbarkeit von Geld und somit auf die Ausgaben von Verbrauchern und die Investitionen von Unternehmen. Letztlich beeinflusst die Geldpolitik die Preise von Waren und Dienstleistungen.


    Geldpolitische Strategie (monetary policy strategy)
    Allgemeiner Ansatz bei der Durchführung der Geldpolitik. Die geldpolitische Strategie der EZB umfasst eine quantitative Definition des vorrangigen Ziels der Preisstabilität und ein Analysekonzept, das auf zwei Säulen – der wirtschaftlichen und der monetären Analyse – beruht und die Grundlage für die vom EZB-Rat vorgenommene Gesamtbeurteilung der Risiken für die Preisstabilität und für die geldpolitischen Beschlüsse des EZB-Rats bildet. Sie liefert auch den Rahmen, um der Öffentlichkeit geldpolitische Entscheidungen zu erläutern.


    Geldpolitischer Transmissionsmechanismus (monetary policy transmission mechanism)
    Prozess, durch den sich die geldpolitischen Entscheidungen – z. B. die Zinsbeschlüsse des EZB-Rats für den Euroraum – auf die Volkswirtschaft im Allgemeinen und das Preisniveau im Besonderen auswirken.

     

    Gesamtwirtschaftliche Nachfrage (aggregate demand)
    Das Gesamtvolumen aller Waren und Dienstleistungen, die in einer Volkswirtschaft nachgefragt werden. Dieses wird von Statistikern geschätzt.

     

    Gesamtwirtschaftliche Produktion (overall output)
    Gesamtheit aller von einer/einem oder mehreren Maschine(n), Fabrik(en), Unternehmen oder Einzelperson(en) in einem bestimmten Zeitraum hergestellten Waren oder erbrachten Dienstleistungen.

     

    Gesamtwirtschaftliche Projektionen (macroeconomic projections)
    Projektionen, also Prognosen, hinsichtlich der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die Projektionen werden vierteljährlich von Experten der Europäischen Zentralbank und der nationalen Zentralbanken der Euro-Länder für das Euro-Währungsgebiet erstellt. Der EZB-Rat zieht die Projektionen zur Beurteilung der wirtschaftlichen Entwicklung und der Risiken für die Preisstabilität heran.


    Gesamtwirtschaftliches Angebot (aggregate supply)
    Um diesen Wert zu ermitteln, wird zum Gesamtwert aller in einer Volkswirtschaft her- bzw. bereitgestellten Waren und Dienstleistungen der Wert der importierten Güter addiert und der Wert von Exporten abgezogen.

     

    Geschäftspartner (counterparty)
    Kontrahent bei einem Finanzgeschäft (z. B. bei einer Transaktion mit einer Zentralbank).

     

    Gezielte längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (GLRGs)
    Im September 2014 begann die EZB, eine Reihe gezielter längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte (GLRGs) zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit des geldpolitischen Transmissionsmechanismus durch Unterstützung der Kreditvergabe an die Realwirtschaft durchzuführen.

     

    Glaubwürdigkeit (credibility)
    Glaubwürdigkeit bedeutet, dass Menschen jemandem oder etwas Glauben schenken oder Vertrauen entgegenbringen. Für Zentralbanken ist Glaubwürdigkeit von zentraler Bedeutung.

     

    Gleichgewicht (equilibrium)
    Ein bestimmter Preis kann ein Gleichgewicht herbeiführen. Dies ist z. B. dann der Fall, wenn am Markt für einen bestimmten Rohstoff die angebotenen und nachgefragten Mengen übereinstimmen. Allgemein betrachtet findet der Begriff des Gleichgewichts auch auf komplexe Wirtschafts- und Finanzbeziehungen sowie auf Situationen Anwendung, bei denen ein „Gleichgewicht“ herrscht, zu dem die Volkswirtschaft selbst dann zurückfinden würde, wenn eine Störung oder ein Schock (z. B. ein Ölpreisschock) auftritt.


    Harmonisierter Verbraucherpreisindex – HVPI (Harmonised Index of Consumer Prices – HICP)
    Mithilfe des Harmonisierten Verbraucherpreisindex wird die Entwicklung der Verbraucherpreise im Euroraum gemessen. Der EZB-Rat zieht diese Messgröße bei der Festlegung und Beurteilung der Preisstabilität für das gesamte Eurogebiet heran.


    Hauptrefinanzierungsgeschäft (main refinancing operation)
    Regelmäßiges Offenmarktgeschäft, das vom Eurosystem in Form einer befristeten Transaktion durchgeführt wird, um dem Bankensystem die Liquiditätsmenge zur Verfügung zu stellen, die das Eurosystem für angemessen hält. Hauptrefinanzierungsgeschäfte werden über wöchentliche Standardtender (bei denen die Banken Gebote für Liquidität abgeben können) ausgeführt, deren Laufzeit in der Regel eine Woche beträgt.

     

    Haftungsausschluss: Dieses Glossar soll den Teilnehmern des Generation Euro Schülerwettbewerbs als Unterstützung dienen. Es wurde auf Grundlage verschiedener Quellen, u. a. Wörterbüchern und Texten zu den Grundlagen der Volkswirtschaft, zusammengestellt und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der EZB wider. Wenn Sie Anmerkungen oder Vorschläge zum Glossar haben, mailen Sie bitte an generationeuro@ecb.europa.eu.

    Inflation
    Anstieg des allgemeinen Preisniveaus, z. B. gemessen am Verbraucherpreisindex.

     

    Inflationsdruck (inflationary pressure)
    Nachfrage- und angebotsseitiger Druck, der zu einem Anstieg des allgemeinen Preisniveaus führen kann. Kurzfristig kann Inflationsdruck zum Beispiel von einer übermäßigen Gesamtnachfrage ausgehen. Auf mittlere bis längere Sicht ist er mit einem hohen Geldmengenwachstum verbunden.

     

    Inflationserwartungen (inflation expectations)
    Die Preissteigerungsrate, die nach Auffassung von Arbeitnehmern, Unternehmen und Anlegern künftig vorherrschen wird und die diese Parteien deshalb bei ihren Entscheidungen einkalkulieren.


    Inflationsrisikoprämie (inflation risk premium)
    Vergütung, die Anleger für einen unerwarteten Inflationsanstieg während des Investitionszeitraums verlangen.


    Inflationssteuerung (inflation targeting)
    Geldpolitische Strategie zur Wahrung der Preisstabilität, die auf der Beobachtung von Abweichungen der veröffentlichten Inflationsprognosen von einem veröffentlichten Inflationsziel basiert.

     

    Inflationstendenzen (inflationary trends)
    Längerfristige Preisentwicklungen.


    Interbanken-Geldmarkt (interbank money market)
    Der Markt für kurzfristige Kredite zwischen Banken, wobei gewöhnlich der Handel mit Finanzmitteln mit einer Laufzeit von einem Tag (Tagesgeld oder kürzere Laufzeit) bis zu einem Jahr gemeint ist.

     

    Jährliche Teuerungsrate (annual rate of inflation)
    Die Veränderung des Preisniveaus im Verlauf des Vorjahrs. Üblicherweise wird die jährliche Teuerungsrate im Verhältnis zu den Verbraucherpreisen angegeben.

     

    Haftungsausschluss: Dieses Glossar soll den Teilnehmern des Generation Euro Schülerwettbewerbs als Unterstützung dienen. Es wurde auf Grundlage verschiedener Quellen, u. a. Wörterbüchern und Texten zu den Grundlagen der Volkswirtschaft, zusammengestellt und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der EZB wider. Wenn Sie Anmerkungen oder Vorschläge zum Glossar haben, mailen Sie bitte an generationeuro@ecb.europa.eu.

    Kaufkraft (purchasing power)
    Der Wert des Geldes. Gemessen wird dieser anhand der Menge sowie Qualität von Produkten und Dienstleistungen, die mit einem bestimmten Betrag erworben werden können.

     

    Kommunikation (communication)
    Die Kommunikationsaktivitäten einer Zentralbank tragen maßgeblich dazu bei, die Finanzmarktteilnehmer in die Lage zu versetzen, den Kurs der Geldpolitik und die künftige Entwicklung der Zinssätze vorhersehen zu können. Wird die gut konzipierte Geldpolitik hinreichend erläutert, so kann dies zum Beispiel die Erwartungen privater Wirtschaftsteilnehmer, wie Gewerkschaften und Arbeitgeber, beeinflussen.

     

    Konjunkturaussichten (economic outlook)
    Erwartungen bezüglich der voraussichtlichen Entwicklung der Volkswirtschaft im kommenden Quartal, Jahr oder in einer anderen Zeitspanne. Hellen sich die Konjunkturaussichten auf, so dürften die privaten Haushalte und Unternehmen geneigter sein, Ausgaben bzw. Investitionen zu tätigen.


    Konvergenzkriterien (convergence criteria)
    Die vier Kriterien, die jeder EU-Mitgliedstaat vor Einführung des Euro erfüllen muss: ein stabiles Preisniveau, solide öffentliche Finanzen (am BIP gemessene Obergrenzen für Defizit und Schuldenquote), ein stabiler Wechselkurs sowie niedrige und stabile Langfristzinsen. Außerdem muss jeder EU-Mitgliedstaat gewährleisten, dass seine innerstaatlichen Rechtsvorschriften – einschließlich der Satzung der jeweiligen nationalen Zentralbank – mit den Konvergenzkriterien sowie der Satzung des Europäischen Systems der Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank vereinbar sind.

     

    Kostendruckinflation (cost push inflation)
    Zu dieser Art von Teuerung kommt es, wenn das allgemeine Lohnniveau und/oder die Kosten von Rohstoffen sowie sonstigen Produktionsfaktoren nachhaltig steigt bzw. steigen, wodurch das Preisniveau „nach oben gedrückt“ wird. Eine kontinuierliche Erhöhung der Ölpreise kann zum Beispiel zu einem Inflationsanstieg führen.

     

    Kreditangebot (supply of credit)
    Bereitstellung von Krediten für die Realwirtschaft und private Haushalte.

     

    Kredite an Ansässige im Euro-Währungsgebiet (loans to euro area residents)
    Kredite, die privaten Haushalten, nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften und dem Staat gewährt werden. Bei den Krediten an private Haushalte handelt es sich zumeist um Konsumentenkredite (zum Erwerb von Waren und Dienstleistungen), Immobilienkredite (zur Finanzierung von Wohneigentum und Modernisierungen/Umbauten) und sonstige Kredite (beispielsweise zu Zwecken der Schuldenkonsolidierung sowie Bildung und Ausbildung).


    Kredite an Nicht-MFIs im Euro-Währungsgebiet (credit to euro area residents)
    Eine weit gefasste Messgröße für die Finanzierung der Wirtschaft durch zahlreiche Finanzinstitute (insbesondere Banken). Dies beinhaltet Kredite an Ansässige im Eurogebiet sowie die Bestände von Banken und sonstigen Finanzinstituten an Wertpapieren, die von Ansässigen im Euroraum begeben wurden. Diese Wertpapierbestände umfassen börsennotierte Aktien sowie Schuldverschreibungen. Da Wertpapiere als Finanzierungsquelle eine Alternative zu Krediten darstellen und einige Kredite verbrieft werden können, lässt diese Messgröße einen genaueren Rückschluss auf das gesamte Kreditvolumen zu, das der monetäre und finanzielle Sektor der Wirtschaft zur Verfügung stellt, als eine enge Definition, die lediglich Kredite umfasst.


    Kreditinstitut (credit institution)
    Ein Unternehmen, dessen Tätigkeit darin besteht, Einlagen oder andere rückzahlbare Gelder des Publikums entgegenzunehmen und Kredite für eigene Rechnung zu gewähren. Banken und Sparkassen sind Kreditinstitute.

     

    Kurs (financial price)
    Der Preis von Finanzinstrumenten wie Anleihen oder Aktien.

     

    Kurve des gesamtwirtschaftlichen Angebots (aggregate supply curve)
    Darstellung aller Waren und Dienstleistungen, die von einer Volkswirtschaft im Lauf eines Jahres „angeboten“ (hergestellt) werden können.

     

    Kurve der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage (aggregate demand curve)
    Darstellung aller Waren und Dienstleistungen, die von einer Volkswirtschaft im Lauf eines Jahres „nachgefragt“ (konsumiert) werden können.

     

    Kurzfristzinsen (short-term interest rates)
    Zinssätze für Kredite oder Schuldtitel, wie Schatzwechsel, Einlagenzertifikate der Banken oder Commercial Paper, mit einer Laufzeit von unter einem Jahr. Kurzfristige Zinssätze werden oft auch als „Geldmarktsätze“ bezeichnet.

     

    Langfristige Neutralität des Geldes (long-run neutrality of money)
    Dieses grundlegende Prinzip besagt, dass Veränderungen der Geldmenge mittel- bis langfristig nur zu Veränderungen der nominalen Variablen führen. Somit haben langfristige Veränderungen der Geldmenge keine Auswirkungen auf Variablen wie reale Produktion, Beschäftigung oder reale Zinssätze.


    Längerfristige Zinssätze (longer-term interest rates)
    Zinsen oder Renditen verzinslicher Finanzanlagen mit einer relativ langen Laufzeit, für welche die Renditen von zehnjährigen Staatsanleihen häufig als Richtwert herangezogen werden.


    Längerfristiges Refinanzierungsgeschäft (longer-term refinancing operation)
    Regelmäßiges Offenmarktgeschäft, das vom Eurosystem in Form einer befristeten Transaktion durchgeführt wird. Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte werden über monatliche Standardtender mit einer Laufzeit von in der Regel drei Monaten durchgeführt.


    Leitzinsen der EZB (key interest rates of the ECB)
    Vom EZB-Rat festgelegte Zinssätze, in denen der geldpolitische Kurs der EZB zum Ausdruck kommt. Im Einzelnen handelt es sich hierbei um den Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte (fester Zinssatz bei Mengentendern und Mindestbietungssatz bei Zinstendern), den Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität und den Zinssatz für die Einlagefazilität.


    Liquidität (liquidity)
    Die Liquidität zeigt an, wie leicht oder schnell eine Kapitalanlage wieder in Bargeld umgewandelt werden kann.

     

    Haftungsausschluss: Dieses Glossar soll den Teilnehmern des Generation Euro Schülerwettbewerbs als Unterstützung dienen. Es wurde auf Grundlage verschiedener Quellen, u. a. Wörterbüchern und Texten zu den Grundlagen der Volkswirtschaft, zusammengestellt und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der EZB wider. Wenn Sie Anmerkungen oder Vorschläge zum Glossar haben, mailen Sie bitte an generationeuro@ecb.europa.eu.

    M1
    Die eng gefasste Geldmenge. M1 bildet den Bargeldumlauf sowie die täglich fälligen Einlagen ab.

     

    M2
    Mittleres Geldmengenaggregat, das M1 sowie Einlagen mit einer vereinbarten Laufzeit von bis zu zwei Jahren und Einlagen mit einer vereinbarten Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten umfasst.

     

    M3
    Weit gefasstes Geldmengenaggregat, das M2 sowie Rückkaufsvereinbarungen, Geldmarktfondsanteile sowie Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren umfasst. Für das Wachstum von M3 hat der EZB-Rat einen Referenzwert bekannt gegeben, der derzeit bei 4 ½ % liegt. Allerdings reagiert die Geldpolitik nicht automatisch auf Abweichungen des M3-Wachstums vom Referenzwert.

     

    Makroökonomie (macroeconomics)
    Die Makroökonomie befasst sich mit der Volkswirtschaft als Ganzes und untersucht Faktoren wie Wachstum, Inflation und Arbeitslosigkeit. Sie steht im Gegensatz zur Mikroökonomie, die sich den einzelnen Teilen einer Volkswirtschaft, wie zum Beispiel Branchen, Unternehmen, privaten Haushalten oder Verbrauchern, widmet.

     

    Markterwartungen (market expectations)
    Art und Weise, wie Marktteilnehmer künftige wirtschaftliche Entwicklungen sehen (und einpreisen). Beispiele hierfür sind der Auftragseingang bei Gebrauchsgütern im nächsten Quartal oder Erwartungen bezüglich der realwirtschaftlichen Aktivität über einen Zeitraum von 12 bis 24 Monaten.

     

    Marktindikatoren (market indicators)
    Eine Reihe technischer Indikatoren, die von Händlern oder Ökonomen herangezogen werden, um Aussagen bezüglich der künftigen Entwicklung der wichtigsten Finanzindizes treffen zu können.


    Mindestreservebasis (reserve base)
    Summe der mindestreservepflichtigen Bilanzposten (insbesondere Verbindlichkeiten), welche die Basis für die Berechnung des Mindestreserve-Solls eines Kreditinstituts darstellen.


    Mindestreserveguthaben (reserve holdings)
    Guthaben der Geschäftspartner auf ihren Mindestreservekonten, welche der Erfüllung der Mindestreservepflicht dienen.


    Mindestreservekonto (reserve account)
    Konto bei der nationalen Zentralbank, auf dem ein Geschäftspartner Mindestreserveguthaben unterhält. Die Zahlungsausgleichskonten der Geschäftspartner bei den nationalen Zentralbanken können als Mindestreservekonten genutzt werden.


    Mindestreserven (minimum reserves)
    Mindestreserven, die ein Kreditinstitut bei einer Zentralbank halten muss. Gemäß den Mindestreservevorschriften des Eurosystems wird die Höhe der von einem Kreditinstitut zu unterhaltenden Mindestreserven (Mindestreserve-Soll) durch Multiplikation des Mindestreservesatzes für die jeweilige Kategorie von Positionen der Mindestreservebasis mit dem Betrag dieser Positionen in der Bilanz des Instituts berechnet. Darüber hinaus können die Kreditinstitute einen pauschalen Freibetrag von ihrem Mindestreserve-Soll abziehen.


    Mindestreservesatz (reserve ratio)
    Von der Zentralbank für jede Kategorie mindestreservepflichtiger Bilanzposten festgelegter Satz. Die Sätze werden zur Berechnung des Mindestreserve-Solls verwendet.

     

    Monetäre Analyse (monetary analysis)
    Eine der beiden Säulen des Rahmens der Europäischen Zentralbank für die Analyse von Risiken für die Preisstabilität. Die zwei Säulen dienen als Grundlage für die geldpolitischen Beschlüsse des EZB-Rats. Die monetäre Analyse trägt dazu bei, die Inflationsentwicklung auf mittlere bis lange Sicht einzuschätzen. Im Rahmen der monetären Analyse wird die Entwicklung eines breiten Spektrums monetärer Indikatoren beobachtet, einschließlich der Geldmenge M3, ihrer Komponenten und Gegenposten (insbesondere Kredite) sowie verschiedener Messgrößen der Überschussliquidität (siehe auch wirtschaftliche Analyse).

     

    Monetäre Basis (monetary base)
    Siehe Basisgeld.


    Monetäres Aggregat (monetary aggregate)
    Summe des Bargeldumlaufs und bestimmter ausstehender Verbindlichkeiten von monetären Finanzinstituten, die eine recht hohe Liquidität aufweisen und von Nicht-MFIs im Eurogebiet gehalten werden, die nicht den Zentralregierungen angehören.


    Monetäres Finanzinstitut – MFI (monetary financial institution – MFI)
    Alle Finanzinstitute, die zum geldschöpfenden Sektor des Eurogebiets gehören. Hierzu zählen das Eurosystem, ansässige Kreditinstitute im Sinne des EU-Rechts und alle anderen im Euroraum ansässigen Finanzinstitute, deren wirtschaftliche Tätigkeit darin besteht, Einlagen bzw. Einlagensubstitute im engeren Sinn von anderen Wirtschaftssubjekten als MFIs entgegenzunehmen und auf eigene Rechnung (zumindest im wirtschaftlichen Sinn) Kredite zu gewähren und/oder in Wertpapiere zu investieren. Letztere Gruppe umfasst in erster Linie Geldmarktfonds.

     

    Nachfrageinduzierte Inflation (demand-pull inflation)
    Bei dieser Art der Teuerung steigt das Preisniveau aufgrund eines Ungleichgewichts zwischen gesamtwirtschaftlichem Angebot und gesamtwirtschaftlicher Nachfrage. Übersteigt Letztere das gesamtwirtschaftliche Angebot in einer Volkswirtschaft bei Weitem, kommt es zu Preiserhöhungen.


    Nationale Zentralbank – NZB (national central bank – NCB)
    Hier: Die Zentralbank eines EU-Mitgliedstaats.


    Neutralität des Geldes (neutrality of money)
    Volkswirtschaftliches Grundprinzip, demzufolge Veränderungen des Geldangebots langfristig nur zu Veränderungen der nominalen und nicht der realen Variablen führen. Daher haben Veränderungen des Geldangebots keine langfristigen Auswirkungen auf Variablen wie die reale Produktion, die Arbeitslosigkeit oder die Realzinsen.

     

    Nominale Produktion (nominal output)
    Gegenwärtiger Wert der beispielsweise von einem Unternehmen gefertigten Waren und erbrachten Dienstleistungen, in aktuellen Preisen gerechnet.

     

    Nominale Transaktion (nominal transaction)
    Handel von Waren oder Dienstleistungen im Austausch gegen Bargeld oder elektronisches Geld.

     

    Nominallohn (nominal wage)
    Entgelt, das Unternehmen Arbeitnehmern nach Abzug der Steuern zahlen. Der Nominallohn gibt allerdings keine Auskunft über die Kaufkraft der Arbeitnehmer. Steigen die Nominallöhne dauerhaft, so treibt dies möglicherweise die Produktionskosten in die Höhe, mindert die Wettbewerbsfähigkeit und bewirkt eine Steigerung der Teuerungsrate, sofern diese Entwicklung nicht durch ein anhaltendes Produktivitätswachstum ausgeglichen wird.

     

    Nominalzinssatz (nominal interest rate)
    Zinssatz vor der Inflationsbereinigung.


    Notenbankfähige Vermögenswerte / notenbankfähige Sicherheiten (eligible assets / eligible collateral)
    Vermögenswerte, die als Sicherheiten für die Kreditaufnahme beim Eurosystem verwendet werden können.

     

    Haftungsausschluss: Dieses Glossar soll den Teilnehmern des Generation Euro Schülerwettbewerbs als Unterstützung dienen. Es wurde auf Grundlage verschiedener Quellen, u. a. Wörterbüchern und Texten zu den Grundlagen der Volkswirtschaft, zusammengestellt und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der EZB wider. Wenn Sie Anmerkungen oder Vorschläge zum Glossar haben, mailen Sie bitte an generationeuro@ecb.europa.eu.

    Offenmarktgeschäft (open market operation)
    Geschäft, das auf Initiative der Zentralbank am Finanzmarkt durchgeführt wird. Im Hinblick auf ihre Zielsetzung, die Abstände, in denen sie durchgeführt werden, und die angewandten Verfahren können die Offenmarktgeschäfte des Eurosystems in vier Kategorien unterteilt werden: Hauptrefinanzierungsgeschäfte, längerfristige Refinanzierungsgeschäfte, Feinsteuerungsoperationen und strukturelle Operationen. Das bei den Offenmarktgeschäften des Eurosystems am häufigsten zum Einsatz kommende Instrument sind befristete Transaktionen; sie können bei allen vier angeführten Kategorien genutzt werden. Darüber hinaus können bei strukturellen Operationen Schuldverschreibungen begeben und endgültige Käufe bzw. Verkäufe durchgeführt werden. Feinsteuerungsoperationen können in Form von endgültigen Käufen bzw. Verkäufen, Devisenswapgeschäften und durch die Hereinnahme von Termineinlagen abgewickelt werden.

     

    Preisindex (price index)
    Prozentsatz, der die Änderung eines Preises (oder eines „Korbs“ von Preisen) über einen bestimmten Zeitraum (Monat, Quartal, Jahr) im Vergleich zu dem Preis/den Preisen in einem bestimmten, als Standard herangezogenen Jahr (Basisjahr) aufzeigt.

     

    Preisniveau (price level)
    Durchschnittliche Höhe der Preise von häufig erworbenen Gütern. Das Preisniveau wird üblicherweise mittels eines Preisindexes ausgedrückt.

     

    Preisstabilität (price stability)
    Zustand, in dem die Preise weder stark steigen noch merklich sinken. Für den Euroraum verfolgt die EZB das Ziel, die Inflationsrate auf mittlere Sicht unter, aber nahe 2 % zu halten. Das vorrangige Ziel – und die wichtigste Aufgabe – der EZB und der nationalen Zentralbanken im Euro-Währungsgebiet ist die Gewährleistung von Preisstabilität, d. h. die Wahrung des Werts des Euro.

     

    Private Haushalte (households)
    Einer der institutionellen Sektoren im Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen 2010 (ESVG 2010). Der Sektor privater Haushalte umfasst Einzelpersonen und Gruppen von Einzelpersonen in ihrer Funktion als Konsumenten sowie Unternehmer (d. h. Einzelunternehmen und Personengesellschaften). Private Organisationen ohne Erwerbszweck bilden nach dem ESVG 2010 einen separaten institutionellen Sektor, obwohl sie oft zusammen mit privaten Haushalten ausgewiesen werden.

     

    Produktion (output)
    Menge der von einer Maschine, einer Fabrik, einem Unternehmen oder einer Einzelperson in einem bestimmten Zeitraum hergestellten Waren oder erbrachten Dienstleistungen.

     

    Produktionsfunktion (production function)
    Die Produktionsfunktion beschreibt die Umwandlung verschiedener Ressourcen (Maschinen, Ausrüstungsgüter, Arbeit, Rohstoffe, Vorleistungsgüter usw.) in Waren und Dienstleistungen, welche Unternehmen bewirken. Für die Wirtschaft in ihrer Gesamtheit bezieht sich die gesamtwirtschaftliche Produktionsfunktion auf die gesamte Arbeit, das gesamte Kapital und alle sonstigen Ressourcen, die zum BIP (d. h. zum Gesamtwert der in einem Jahr hergestellten Waren und erbrachten Dienstleistungen) eines Landes beitragen.


    Produktionslücke (output gap)
    Differenz zwischen dem tatsächlichen und dem potenziellen Produktionsniveau einer Volkswirtschaft, gemessen in Prozent des Produktionspotenzials. Das Produktionspotenzial ist das Produktionsniveau, das bei Normalauslastung der Produktionsfaktoren erreicht werden kann, sodass inflationsfreies Wachstum ermöglicht wird.

     

    Produktionspotenzial (potential output)
    Gesamtes Bruttoinlandsprodukt (BIP), das von einer Volkswirtschaft bei voller Nutzung aller Ressourcen erzeugt werden könnte, ohne dass es zu einer Überhitzung der Wirtschaft und somit zu Inflationsdruck kommt. Da der Arbeitsmarkt immer in Bewegung ist, Unternehmen permanent Mitarbeiter einstellen und entlassen und manche Unternehmen ihren Betrieb neu aufnehmen, während andere schließen, ist es nicht möglich, dass alle Personen ständig in einem Beschäftigungsverhältnis stehen. Aufgrund verschiedener „Reibungsverluste“ (z. B. Arbeitslose bekommen keine Anstellung oder Unternehmen mit Personalmangel finden keine Mitarbeiter) bleibt das Produktionspotenzial in der Regel hinter dem theoretischen Höchstwert zurück, der bei maximaler Nutzung aller Ressourcen erreicht werden könnte.

     

    Produktivität (productivity)
    Maß für die Effizienz einer Person, Maschine, Fabrik usw. bei der Umwandlung von Ressourcen in nützliche, handelbare Produktionsergebnisse (d. h. Waren und Dienstleistungen). Die Produktivität der Arbeit ist beispielsweise die Menge an pro Arbeitseinheit (z. B. Arbeitsstunde) hergestellten Waren bzw. erbrachten Dienstleistungen (Gesamtproduktion).

     

    Haftungsausschluss: Dieses Glossar soll den Teilnehmern des Generation Euro Schülerwettbewerbs als Unterstützung dienen. Es wurde auf Grundlage verschiedener Quellen, u. a. Wörterbüchern und Texten zu den Grundlagen der Volkswirtschaft, zusammengestellt und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der EZB wider. Wenn Sie Anmerkungen oder Vorschläge zum Glossar haben, mailen Sie bitte an generationeuro@ecb.europa.eu.

    Quantitätstheorie des Geldes (quantity theory of money)
    Wirtschaftstheorie, die besagt, dass auf lange Sicht die Erhöhung der Geldmenge in der Wirtschaft schließlich zu einem proportionalen Anstieg der Preise von Waren und Dienstleistungen führt.


    Rat der Europäischen Union / EU-Rat (Council of the European Union / EU Council)
    Ein Organ der Europäischen Union, das aus Vertretern der Regierungen der Mitgliedstaaten besteht; in der Regel sind im EU-Rat die für das jeweilige Ressort zuständigen Minister vertreten. Der in der Zusammensetzung der Wirtschafts- und Finanzminister tagende EU-Rat wird als „ECOFIN-Rat“ bezeichnet. Bei Entscheidungen von besonderer Bedeutung tritt der EU-Rat in der Zusammensetzung der Staats- und Regierungschefs zusammen. Der EU-Rat in dieser Zusammensetzung ist jedoch nicht mit dem Europäischen Rat zu verwechseln, in dem ebenfalls die Staats- und Regierungschefs zusammenkommen.

     

    Reale Produktionsmenge (real output)
    Summe der hergestellten Waren und erbrachten Dienstleistungen.

     

    Reale Produktion (real production)
    Marktwert der gesamten Produktion gemessen am realen, inflationsbereinigten BIP zu konstanten Preisen.

     

    Reale Variable (real variable)
    Ökonomische Größe, die in konstanten Einheiten (wie z. B. dem Preisniveau eines bestimmten Jahres) ausgedrückt wird.

     

    Realeinkommen (real income)
    Kaufkraft einer Einzelperson oder eines privaten Haushalts nach Berücksichtigung der Auswirkungen von Preissteigerungen.

     

    Reales BIP-Wachstum (real GDP growth)
    Nominales inflationsbereinigtes BIP-Wachstum, das als prozentuale Veränderung angegeben wird.

     

    Reales Vermögen (real wealth)
    Bewegliche Vermögenswerte (z. B. finanzielle Vermögenswerte) sowie unbewegliches Anlagevermögen (wie zum Beispiel Immobilien, Grundstücke oder Fabriken). Da sich die Preise dieser Vermögenswerte ändern können, kann das reale Vermögen zu- oder abnehmen.

     

    Reallohn (real wage)
    Einkommen von Arbeitnehmern nach Berücksichtigung der Auswirkungen der Inflation auf deren Kaufkraft. Wenn beispielsweise der Nominallohn eines Arbeitnehmers in einem Jahr mit 2-prozentiger Inflationsrate um 3 % steigt, entspricht dies einem Reallohnzuwachs von 1 %.

     

    Realwirtschaft (real economy)
    Teil der Gesamtwirtschaft, der mit der Herstellung von Waren und der Bereitstellung von Dienstleistungen betraut ist.

     

    Realzinsen (real interest rate)
    Die Nominalzinsen abzüglich der Inflationsrate.

     

    Rechenschaftspflicht (accountability)
    Rechtliche und politische Verpflichtung einer unabhängigen Institution, ihre Entscheidungen gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern sowie den von diesen gewählten Volksvertretern ordnungsgemäß zu erläutern und zu rechtfertigen. Aufgrund dieser Verpflichtung ist die Institution für das Erreichen ihrer Ziele verantwortlich. Die Europäische Zentralbank ist den Bürgerinnen und Bürgern Europas - und auf formaler Ebene - dem Europäischen Parlament gegenüber rechenschaftspflichtig.

     

    Rendite (yield)
    Ertrag einer Anlage. Eine Zinsstrukturkurve bildet die Höhe der Zinssätze bei verschiedenen Laufzeiten (z. B. einem Monat, drei Monaten, 6-12 Monaten usw.) ab.

     

    Repräsentativer Korb (representative basket)
    Fiktiver „Korb“, der sich aus den Waren und Dienstleistungen zusammensetzt, die üblicherweise von privaten Haushalten erworben werden. Die Preisentwicklung jeder einzelnen Ware oder Dienstleistung in einem solchen Korb bestimmt das sich auf Privathaushalte auswirkende Inflationsniveau (z. B. den Verbraucherpreisindex).


    Reservenbezogene Verbindlichkeiten (reserve-related liabilities)
    Feststehende kurzfristige Netto-Abflüsse und kurzfristige Eventual-Nettoabflüsse innerhalb des Eurosystems, die den Währungsreserven und sonstigen Fremdwährungsaktiva des Eurosystems ähneln.

     

    Risikoprämie (risk premium)
    „Belohnung“, die Anleger dafür erwarten, dass sie risikoreichere anstatt risikoloser Anlagen halten.

     

    Rohstoffpreise (commodity prices)
    Der Preis eines an der Warenbörse gehandelten Produkts, d. h. eines Roh- oder Grundstoffs, wie Energie (z. B. Gas oder Öl), landwirtschaftliche Erzeugnisse (z. B. Zucker oder Kaffeebohnen) oder Metalle (z. B. Kupfer oder Aluminium).


    Rücklagen (reserves)
    Aus ausschüttbaren Gewinnen zurückbehaltener Betrag, der nicht dazu bestimmt ist, eine bestimmte Verbindlichkeit zu erfüllen oder einen Eventualfall oder eine Wertminderung, von der man weiß, dass diese zum Bilanzstichtag bestehen wird, auszugleichen.

     

    Haftungsausschluss: Dieses Glossar soll den Teilnehmern des Generation Euro Schülerwettbewerbs als Unterstützung dienen. Es wurde auf Grundlage verschiedener Quellen, u. a. Wörterbüchern und Texten zu den Grundlagen der Volkswirtschaft, zusammengestellt und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der EZB wider. Wenn Sie Anmerkungen oder Vorschläge zum Glossar haben, mailen Sie bitte an generationeuro@ecb.europa.eu.

    Schnelltender (quick tender)
    Tenderverfahren, das vom Eurosystem bei Feinsteuerungsoperationen genutzt wird, wenn die Liquiditätslage am Markt rasch beeinflusst werden soll. Schnelltender werden innerhalb von einer Stunde durchgeführt und sind auf eine begrenzte Zahl von Geschäftspartnern beschränkt.

     

    Schocks (shocks)
    Unerwartete Veränderungen der wirtschaftlichen Entwicklung (wie beispielsweise Finanzmarktturbulenzen oder Naturkatastrophen) oder Veränderungen, die nicht unerwartet sind, aber mit strukturelleren, dauerhafteren Entwicklungen einhergehen, wie zum Beispiel technologische Durchbrüche und Entwicklungen der Nahrungsmittelpreise.

     

    Schuldverschreibung

    Von einer Regierung oder einem Unternehmen begebene, handelbare Schuldtitel. Beispiele für Schuldverschreibungen sind verzinsliche Anleihen, Schatzwechsel oder Geldmarktinstrumente.


    Seigniorage (seigniorage)
    Die Nettoeinnahmen aus der Ausgabe einer Währung; diese entsprechen der Differenz zwischen den Zinseinnahmen aus Wertpapieren, die im Austausch gegen Banknoten erworben wurden, und den Kosten für die Herstellung und Inverkehrgabe dieser Banknoten.


    Sicherheiten (collateral)
    Im Bezug auf das Eurosystem handelt es sich hierbei um Vermögenswerte, die im Rahmen der Kreditgeschäfte des Eurosystems bei diesem als Pfand hinterlegt werden. Diese Vermögenswerte werden nur akzeptiert, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen, d. h. sie müssen „notenbankfähig“ sein.

     

    Sondermaßnahmen (non-standard measures)
    Geldpolitische Maßnahmen einer Zentralbank zur Unterstützung der wirksamen Transmission zinspolitischer Beschlüsse auf die Gesamtwirtschaft zu einer Zeit, in der das Finanzsystem nicht normal funktioniert (z. B. während einer Krise).


    Stabilitäts- und Wachstumspakt (Stability and Growth Pact)
    Rahmenwerk zur Koordinierung der Finanzpolitik der EU-Mitgliedstaaten. Er umfasst eine Reihe von Regeln für die Finanzpolitik in den Mitgliedstaaten, unter anderem Obergrenzen für das öffentliche Defizit und den öffentlichen Schuldenstand, um solide Staatsfinanzen zu gewährleisten. Er stellt ein wichtiges Element der Wirtschafts- und Währungsunion dar.


    Ständige Fazilität (standing facility)
    Zentralbankfazilität, die Geschäftspartner auf eigene Initiative in Anspruch nehmen können. Mit der Spitzenrefinanzierungsfazilität und der Einlagefazilität bietet das Eurosystem zwei ständige Übernachtfazilitäten an.

     

    Starre Preise (sticky prices)
    Preise, die nur langsam auf Engpässe oder Überschüsse am Markt reagieren. Ein Beispiel hierfür sind u. a. Nominallöhne – die einmal jährlich verhandelt werden – oder auf der Speisekarte eines Restaurants oder in Katalogen angegebene Preise, die nicht häufig angepasst werden.


    Systemrisiko (systemic risk)
    Unter Systemrisiko versteht man das Risiko, dass das Unvermögen eines Wirtschaftsubjekts, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, dazu führt, dass auch andere ihre Verpflichtungen bei Fälligkeit nicht erfüllen können. In der Folge kann es zu Kettenreaktionen kommen (z. B. erhebliche Liquiditätsprobleme oder Kreditausfälle), die das Vertrauen in ein Finanzsystem oder dessen Stabilität bedrohen können. Die Zahlungsunfähigkeit kann operationale oder finanzielle Ursachen haben.


    Täglich fällige Einlagen (overnight deposits)
    Einlagen mit Fälligkeit am nächsten Tag. Diese Kategorie von Instrumenten umfasst in erster Linie Sichteinlagen, die frei übertragbar sind (durch Scheck oder dergleichen). Sie beinhaltet aber auch nicht übertragbare Guthaben, die auf Antrag oder bis zum Geschäftsschluss des folgenden Tages verfügbar sind. Täglich fällige Einlagen sind in M1 (und damit auch in M2 und M3) enthalten.


    Tenderverfahren (tender procedure)
    Verfahren, bei dem die Zentralbank auf der Basis konkurrierender Gebote der Geschäftspartner dem Markt Liquidität zuführt oder entzieht. Die für die Zentralbank günstigsten Gebote kommen vorrangig zum Zug, bis der Gesamtbetrag an Liquidität, der von der Zentralbank zugeführt oder absorbiert werden soll, erreicht ist.

     

    Trend (trend)
    Allgemeine Richtung von wirtschaftlichen Entwicklungen, Preisen, Zinssätzen usw.

     

    Haftungsausschluss: Dieses Glossar soll den Teilnehmern des Generation Euro Schülerwettbewerbs als Unterstützung dienen. Es wurde auf Grundlage verschiedener Quellen, u. a. Wörterbüchern und Texten zu den Grundlagen der Volkswirtschaft, zusammengestellt und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der EZB wider. Wenn Sie Anmerkungen oder Vorschläge zum Glossar haben, mailen Sie bitte an generationeuro@ecb.europa.eu.

    Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (velocity of money)
    Häufigkeit, mit der Geld im Lauf eines Jahres zwischen verschiedenen Geldhaltern übertragen wird.

     

    Unsicherheit (uncertainty)
    Die Tatsache, dass Projektionen hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung unvorhersehbaren externen Ereignissen unterliegen. Der Grad der Unsicherheit ist in Zeiten von Wirtschaftskrisen höher als sonst.

     

    Verbraucherpreise (consumer prices)
    Die Preise von Konsumgütern. Diese werden in der Regel mithilfe eines Verbraucherpreisindex gemessen, der die preisliche Entwicklung eines sogenannten Warenkorbs – gefüllt mit den Waren und Dienstleistungen, die ein typischer Verbraucher kauft bzw. bezieht – im Zeitverlauf darstellt. Ein solcher Index ist die wichtigste Kennziffer zur Messung der Preissteigerung in einer Volkswirtschaft.


    Verbraucherpreisindex – VPI / siehe auch Harmonisierter Verbraucherpreisindex – HVPI (consumer price index – CPI / Harmonised Index of Consumer Prices – HICP)
    Der Verbraucherpreisindex misst, wie sich die Preise von Konsumgütern (Waren und Dienstleistungen), die von privaten Haushalten nachgefragt werden, im Zeitverlauf ändern.


    Verfahren bei einem übermäßigen Defizit (excessive deficit procedure)
    Das Verfahren bei einem übermäßigen Defizit ist eine Maßnahme, die von der Europäischen Kommission gegen jeden Mitgliedstaat der Europäischen Union eingeleitet wird, der die vom Stabilitäts- und Wachstumspakt der EU vorgegebene Obergrenze bezüglich des Haushaltsdefizits nicht einhält. Das Verfahren umfasst mehrere Schritte, die auch Sanktionen nach sich ziehen können. Auf diese Weise sollen die Mitgliedstaaten dazu angehalten werden, ihre Haushaltsdefizite unter Kontrolle zu bekommen, da dies eine Voraussetzung für das reibungslose Funktionieren der Wirtschafts- und Währungsunion darstellt.

     

    Vermögenswert (asset)
    Jeder Gegenstand von wirtschaftlichem Wert, der sich im Eigentum einer Einzelperson oder eines Unternehmens befindet und in Bargeld umgewandelt werden kann, wie zum Beispiel Büroausstattung, Immobilien, finanzielle Vermögenswerte usw.


    Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union – AEUV (Treaty on the Functioning of the European Union – TFEU)
    Nach Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon am 1. Dezember 2009 wurde der Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft in den Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union umbenannt. Der Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, der am 25. März 1957 in Rom unterzeichnet wurde und daher auch „Vertrag von Rom“ genannt wird, trat am 1. Jänner 1958 in Kraft und begründete die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft. Dieser Vertrag wurde später durch den Vertrag über die Europäische Union (oft auch als Vertrag von Maastricht bezeichnet) geändert. Der Maastricht-Vertrag wurde am 7. Feber 1992 unterzeichnet und trat am 1. November 1993 in Kraft; durch ihn wurde die Europäische Union begründet. Änderungen des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft und des Vertrags über die Europäische Union erfolgten durch den Vertrag von Amsterdam, der am 2. Oktober 1997 in Amsterdam unterzeichnet wurde und am 1. Mai 1999 in Kraft trat, den Vertrag von Nizza, der am 26. Feber 2001 unterzeichnet wurde und am 1. Feber 2003 in Kraft trat, und den Vertrag von Lissabon.


    Vertrag von Lissabon (Treaty of Lisbon)
    Der Vertrag zur Änderung der beiden zentralen Verträge der Europäischen Union, nämlich des Vertrags über die Europäische Union und des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft (Letzterer wurde umbenannt in „Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union“). Der Vertrag von Lissabon wurde am 13. Dezember 2007 in der portugiesischen Hauptstadt unterzeichnet und trat am 1. Dezember 2009 in Kraft.

     

    Vertrauensindikatoren (confidence indicators)
    Umfragebasierte Indikatoren, welche die grundlegende Stimmung von Verbrauchern und Unternehmen sowie deren Konsum- und Investitionsbereitschaft einzufangen versuchen. Im Allgemeinen gehen Änderungen der Indikatoren des Verbraucher- oder Anlegervertrauens Änderungen realer Daten, d. h. tatsächlicher Ausgaben und Investitionen, voraus.

     

    Volatilität (volatility)
    Relative Rate des Preisanstiegs oder -rückgangs eines Vermögenswerts oder eines Wirtschaftsindikators in einem bestimmten Zeitraum. Der Preis eines häufig gehandelten Vermögenswerts kann im täglichen Handel volatiler sein als jener von selten gehandelten Vermögenswerten. Eine Zunahme der Volatilität ist manchmal ein Anzeichen für Anspannungen im Finanzsektor.

     

    Volkswirtschaftliche Indikatoren (economic indicators)
    Die wichtigsten statistischen Daten, die allgemeine Trends in einer Volkswirtschaft aufzeigen. Hierzu zählen u. a. das BIP-Wachstum, die Arbeitslosenzahlen usw.

     

    Vorleistungspreise (input prices)
    Kosten der für die Herstellung von Waren bzw. die Bereitstellung von Dienstleistungen benötigten Arbeitsleistung, Rohstoffe und Finanzmittel. Im Allgemeinen führt ein Anstieg der Vorleistungspreise dazu, dass die Produktion weniger rentabel ist, was eine Reduzierung des Angebots zur Folge haben kann. Höhere Vorleistungspreise können durch eine höhere Produktivität ausgeglichen werden.

     

    Haftungsausschluss: Dieses Glossar soll den Teilnehmern des Generation Euro Schülerwettbewerbs als Unterstützung dienen. Es wurde auf Grundlage verschiedener Quellen, u. a. Wörterbüchern und Texten zu den Grundlagen der Volkswirtschaft, zusammengestellt und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der EZB wider. Wenn Sie Anmerkungen oder Vorschläge zum Glossar haben, mailen Sie bitte an generationeuro@ecb.europa.eu.

    Währung (currency)
    Ein allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel, z. B. Geld, das im Austausch für Waren und Dienstleistungen verwendet werden kann.

     

    Wechselkurs (exchange rate)
    Kurs, zu dem eine Währung gegen eine andere getauscht werden kann.

     

    Wechselkursmechanismus II – WKM II (exchange rate mechanism II – ERM II)
    Wechselkursmechanismen haben in Europa bereits eine mehrere Jahrzehnte andauernde Tradition. Zweck der Wechselkursmechanismen ist es, die Finanzstabilität zu unterstützen und zu verhindern, dass Länder zur Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit ihre Währung übermäßig abwerten. Der Wechselkursmechanismus II wurde am 1. Jänner 1999 eingeführt. Im Rahmen des WKM sind die Währungen von Ländern außerhalb des Euroraums an den Euro gebunden. So soll gewährleistet werden, dass die Wechselkursschwankungen zwischen diesen Währungen und dem Euro nicht zu einer wirtschaftlichen Instabilität des Binnenmarkts führen. Mitunter wird der WKM II als „Wartezimmer“ für die Euro-Einführung bezeichnet, da er Länder außerhalb des Euroraums bei den Vorbereitungen auf die Mitgliedschaft im Eurogebiet unterstützt. Die Teilnahme am WKM II ist freiwillig, aber auch eines der Konvergenzkriterien, die vor der Euro-Einführung zu erfüllen sind.

    Innerhalb des WKM II ist ein Leitkurs für den Wechselkurs der jeweiligen nationalen Währung gegenüber dem Euro sowie eine Schwankungsbandbreite um diesen Leitkurs festzulegen. Die Standardschwankungsbandbreite beträgt ±15 %, auf Antrag kann aber auch eine engere Bandbreite vereinbart werden. Devisenmarktinterventionen und Finanzierungsgeschäfte an den Interventionspunkten der Standardschwankungsbreiten sowie der engeren Schwankungsbandbreiten erfolgen grundsätzlich automatisch und in unbegrenzter Höhe, wobei eine sehr kurzfristige Finanzierung zur Verfügung steht. Die EZB und die am WKM II teilnehmenden, nicht dem Euro-Währungsgebiet angehörenden NZBen können automatische Interventionen jedoch aussetzen, wenn diese ihrem vorrangigen Ziel der Gewährleistung von Preisstabilität zuwiderlaufen sollten.


    Wechselkurssteuerung (exchange rate targeting)
    Eine geldpolitische Strategie, die einen bestimmten (normalerweise stabilen oder sogar festen) Wechselkurs gegenüber einer anderen Währung oder einer Gruppe von Währungen anstrebt.

     

    Weit gefasstes Geldmengenaggregat M3 (broad money)
    Jene Geldmenge, welche die eng gefasste Geldmenge, Sichtguthaben und Spareinlagen umfasst. M3 enthält darüber hinaus Komponenten, die nicht Bargeld sind, aber Einlagen ähneln und sehr leicht in Bargeld umgewandelt werden können (Stichwort: Geld als Wertaufbewahrungsmittel).

     

    Wirkungsverzögerung im Transmissionsprozess (transmission lag)
    Die Zeitspanne zwischen einem Zinsbeschluss (Festlegung der Kurzfristzinsen) und dessen Auswirkung auf die Zinssätze der Finanzinstitute und letztlich auf die Preisentwicklung.

     

    Wirtschaftliche Analyse (economic analysis)
    Eine der beiden Säulen des Rahmens der Europäischen Zentralbank zur Analyse der Risiken für die Preisstabilität. Diese zwei Säulen dienen als Grundlage für die geldpolitischen Beschlüsse des EZB-Rats. Die wirtschaftliche Analyse konzentriert sich hauptsächlich auf aktuelle wirtschaftliche und finanzielle Entwicklungen sowie die kurz- bis mittelfristigen Risiken für die Preisstabilität aus der Perspektive des Zusammenspiels zwischen Angebot und Nachfrage an den Waren-, Dienstleistungs- und Faktormärkten. Die wirtschaftliche Analyse trägt der Tatsache Rechnung, dass ermittelt werden muss, welcher Art Schocks sind, die eine Volkswirtschaft treffen, wie diese Schocks die Kostenentwicklung und Preisgestaltung beeinflussen und wie sie sich in der Wirtschaft fortpflanzen. Siehe auch monetäre Analyse.

     

    Wirtschaftsakteur (economic agent)
    Ein Unternehmen, eine Organisation oder eine Person, welche(s) das Wirtschaftsgeschehen durch die Produktion/Erbringung, den Erwerb oder den Verkauf von Waren oder Dienstleistungen beeinflusst. Volkswirte sprechen häufig von „Wirtschaftsakteuren“, wenn sie generische Einzelpersonen meinen, die repräsentativ für alle durchschnittlichen Käufer, Verkäufer oder Anleger sind.

     

    Wirtschaftsindikatoren (economic indicators)
    Statistische Daten, die allgemeine Tendenzen in einer Volkswirtschaft aufzeigen.

     

    Wirtschaftsmodell (economic model)
    Moderne Volkswirtschaften können sehr komplex sein. Deshalb ziehen Volkswirte oft Modelle (d. h. Gleichungen und Zahlen) heran, um die Funktionsweise von Märkten (Finanzmärkten, Ölmärkten usw.) bzw. wirtschaftliche Phänomene oder sogar die gesamte Volkswirtschaft zu beschreiben. Solche Modelle können beispielsweise das Verhalten von Wirtschaftsakteuren oder Bewegungen in bestimmten Märkten veranschaulichen oder wirtschaftliche Tendenzen oder sonstige Faktoren vorhersagen.


    Wirtschaftsstruktur (structure of the economy)
    Die Wirtschaftsstruktur beschreibt, welche relative Bedeutung den verschiedenen Sektoren (verarbeitendes Gewerbe, Dienstleistung, Landwirtschaft) in einer Volkswirtschaft zukommt. Generell ist festzustellen, dass heutzutage alle europäischen Volkswirtschaften über einen großen Dienstleistungssektor verfügen, der sich wiederum in zahlreiche Untersektoren wie Finanzdienstleistungen, Transport oder Unterhaltung untergliedern lässt. Diese Sektoren generieren rund 60 % bis 70 % des BIP der europäischen Volkswirtschaften. Auch das verarbeitende Gewerbe ist sehr diversifiziert und umfasst unterschiedliche Branchen. Die Landwirtschaft hat im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts an Bedeutung verloren und trägt heutzutage 2 % bis 5 % zum BIP bei. Es gibt weitere Merkmale, welche die Struktur einer Volkswirtschaft bestimmen, wie beispielsweise Kapitalintensität, Höhe der Erwerbsbeteiligung, relative Offenheit gegenüber anderen Ländern, Innovationsfähigkeit usw.


    Wirtschafts- und Währungsunion / WWU (Economic and Monetary Union / EMU)
    Die Wirtschafts- und Währungsunion stellt einen großen Schritt bei der wirtschaftlichen Integration der EU dar. Sie zeichnet sich durch vier wesentliche Elemente aus: die Abstimmung der Wirtschaftspolitik, die Abstimmung der Finanzpolitik, die Errichtung der Europäischen Zentralbank sowie die Schaffung der einheitlichen Währung. Die dritte und letzte Stufe der WWU begann am 1. Jänner 1999. Alle Mitgliedstaaten nehmen an der WWU teil, wenngleich noch nicht alle den Euro eingeführt haben.

     

    Haftungsausschluss: Dieses Glossar soll den Teilnehmern des Generation Euro Schülerwettbewerbs als Unterstützung dienen. Es wurde auf Grundlage verschiedener Quellen, u. a. Wörterbüchern und Texten zu den Grundlagen der Volkswirtschaft, zusammengestellt und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der EZB wider. Wenn Sie Anmerkungen oder Vorschläge zum Glossar haben, mailen Sie bitte an generationeuro@ecb.europa.eu.

    Zeithorizont (horizon)
    Ein Zeitraum. Ein kurzer Zeithorizont umfasst ein paar Monate, während sich ein längerer Zeithorizont normalerweise über mehrere Jahre erstreckt.


    Zentralbank (central bank)
    Eine Zentralbank oder Währungsbehörde ist eine öffentliche Einrichtung, die in einem Land die Währung ausgibt, die Geldmenge steuert und die Zinssätze festlegt. Die Festlegung der Zinssätze ist das wichtigste Instrument zur Durchführung der Geldpolitik in einem bestimmten Währungsgebiet.
    Zudem obliegt der Zentralbank häufig die Aufsicht über das Geschäftsbankensystem des Landes, für das sie zuständig ist. Eine Zentralbank unterscheidet sich von einer gewöhnlichen Geschäftsbank dadurch, dass sie das Monopol für die Schöpfung von Geld in der Währung des jeweiligen Landes innehat. Für gewöhnlich ist diese Währung auch das gesetzliche Zahlungsmittel des betreffenden Landes.

     

    Zentralbankgeld (central bank money)
    Verbindlichkeiten einer Zentralbank in Form von Banknoten oder bei einer Zentralbank gehaltenen Bankeinlagen, die zu Zahlungsverkehrszwecken verwendet werden können.

     

    Zentralbankunabhängigkeit (central bank independence)
    In den letzten Jahrzehnten sind Notenbanken immer unabhängiger von politischem Druck geworden. Da sie nicht der Kontrolle durch Regierungen unterliegen, können sie ihre Ziele (Preis- und Finanzstabilität, ein größeres Wachstum und eine höhere Beschäftigung) verfolgen. Die Arbeit der Zentralbanken dient dem langfristigen Wohl von Volkswirtschaften. Die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank und der nationalen Zentralbanken des Eurosystems ist gesetzlich garantiert. Notenbanken verwalten heutzutage auch ihre eigenen Ressourcen und ihren eigenen Haushalt.

     

    Zinssatz (interest rate)
    Die Kosten für die Aufnahme eines Kredits für einen bestimmten Zeitraum (z. B. die jährlich für einen Wohnungsbaukredit anfallenden Kosten). Die Höhe des für einen Kredit zu entrichtenden Zinssatzes wird üblicherweise in Form eines auf das Jahr bezogenen Prozentsatzes angegeben.


    Zinsstrukturkurve (yield curve)
    Kurve, welche die Beziehung zwischen dem Zinssatz bzw. der Rendite und der Laufzeit von Schuldverschreibungen mit gleichem Kreditrisiko, aber unterschiedlichen Fälligkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt darstellt. Die Steigung der Zinsstrukturkurve lässt sich als die Differenz zwischen den Zinssätzen für zwei ausgewählte Restlaufzeiten berechnen.

     

    Zwei-Säulen-Konzept (two-pillar framework)
    Der Ansatz der EZB zur Aufbereitung, Bewertung und Gegenprüfung der Informationen, die für die Einschätzung der Risiken für die Preisstabilität von Bedeutung sind. Wie der Name bereits sagt, beruht der Ansatz auf zwei „Säulen“, nämlich der wirtschaftlichen und der monetären Analyse.

     

    Haftungsausschluss: Dieses Glossar soll den Teilnehmern des Generation Euro Schülerwettbewerbs als Unterstützung dienen. Es wurde auf Grundlage verschiedener Quellen, u. a. Wörterbüchern und Texten zu den Grundlagen der Volkswirtschaft, zusammengestellt und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der EZB wider. Wenn Sie Anmerkungen oder Vorschläge zum Glossar haben, mailen Sie bitte an generationeuro@ecb.europa.eu.

ÜBUNGSVERSION

DES QUIZ

SPIELEN!

ÜBUNGSVERSION

DES QUIZ

SPIELEN!

ÜBUNGSVERSION

DES QUIZ

SPIELEN!

G€SA auf Facebook